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Der älteste Teil
des Friedhofs liegt im Osten des 265 m langen,
aber unterschiedlich breiten Terrains. Da er auch von den umliegenden Gemeinden zur
Bestattung benutzt wurde und die Zahl der jüdischen Einwohner in Bingen in der Neuzeit
stetig wuchs, waren im Laufe der Zeit Veränderungen und Erweiterungen erforderlich. So
wird vermutet, daß der alte Teil, der 610 Grabsteine aufweist, "wenigstens einmal
aufgeschüttet und aufs neue benutzt worden ist" (Rabbiner Grünfeld 1905). Die
Unregelmäßigkeit der Umfassungslinie deutet auf verschiedene Erweiterungen durch
Ankäufe von Nachbargelände hin.
Die Grabsteine des alten Teiles, die ohne erkennbare Ordnung unter hohen Bäumen
und Gestrüpp stehen oder liegen, sind durchweg aus Sandstein gehauen und ziemlich gleich
im Aussehen. Die oft den ganzen Stein einnehmenden Inschriften sind in hebräischer
Schrift eingemeißelt. Die Gräber sind und waren nicht eingefasst, sondern eingeebnet.
Der heutige Eingang liegt auf
der Schnittlinie zwischen dem östlichen älteren Teil und dem westlichen
neueren Teil, der 1856 angelegt worden ist. Man betritt zunächst eine
Plattform mit einer niedrigen Umfassungsmauer, den Resten der damals
errichteten und 1970 abgetragenen Trauerhalle. An der Wand hinter der
Eingangstür befindet sich das Waschbecken mit Wasserhahn zur rituellen
Reinigung nach dem Besuch des Friedhofs.
Der neuere Teil hat einen ganz anderen Charakter; er
gleicht in vielem einem christlichen Friedhof: Gerade Grabreihen mit Einfassungen und den
unterschiedlichsten Grabmonumenten. Die Inschriften sind durchgängig in deutscher
Sprache, oft mit hebräischen Zusätzen und jüdischen Symbolen.
Das Sterbedatum ist auch auf jüngeren Grabsteinen bisweilen zusätzlich in
der jüdischen Zeitrechnung und mit hebräischen Monatsnamen angegeben. Die Zählung der
Jahre setzt bei der Erschaffung der Welt an. Diese wird nach christlicher Zeitrechnung
für das Jahr 3760 vor Christi Geburt angenommen.
In der Süd-West-Ecke des Friedhofsareals befindet sich - etwas höher gelegen - seit 1872
der Friedhof der orthodoxen Gemeinde.
Bis 1925 war dieser Bereich durch eine Mauer abgetrennt.
Fotos: Wolfgang Peters, Bingen
Bilderserie
"Der Jüdische
Friedhof in Bingen" (Alle Fotos von
Hermann-Josef Gundlach)
Weitere Informationen zu jüdischen Friedhöfen
in Deutschland finden Sie auf der Homepage des Salomon
Ludwig Steinheim-Instituts für
deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen.
Die Adresse ist: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat
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